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Grafschafter Nachrichten Schreibt: Feine Auswahl großer Kunstwerke

Oft, wenn es um das Thema Kunst geht, sind die Metropolen wie Frankfurt, Berlin, München oder Hamburg im Blick. Dabei vergisst man, dass auch in unmittelbarer Umgebung große Kunst zu finden ist: im Rijksmuseum Twenthe.

Von Andreas Meistermann

(c) Grafschafter Nachrichten 25.01.2014

Enschede
. Manchmal braucht es einfach Zufälle, um darauf gestoßen zu werden. Mir passierte es bei einer Ausstellung des bekannten Impressionisten Alfred Sisley im von der Heydt-Museum in Wuppertal. Diese Ausstellung hatte aus zahlreichen Privatsammlungen und Museen Werke zusammengetragen. Bei genauerer Betrachtung eines der Bilder von Sisley stieß ich auf den Namen Reichsmuseum Twente in Enschede. Es war eines der vielen Leihgeber.

Da wurde mir bewusst, wie oberflächlich man doch gerade als Grafschafter, gewissermaßen als direkter Nachbar, manche Städte in den Niederlanden betrachtet, die oft Ausflugsziel am Wochenende sind wie zum Beispiel Enschede. Bei den Besuchen dort steht zumeist das Shoppen und der Besuch des Marktes im Mittelpunkt. – Warum nicht einfach auch mal Kunst entdecken, sogar große Kunst, wie das Bild von Alfred Sisley zeigt.

Beschäftigt man sich genauer mit dem Reichsmuseum, stellt man sogar fest, dass ein Bild wie das von Sisley nur die Spitze des Eisberges ist. In Enschede befindet sich die umfangreichste und international vielfältigste Sammlung im Nordosten der Niederlande. Die Liste der großen Namen reicht von Lucas Cranach über Ruisdael und Courbet bis hin zu Monet und den Vertretern der internationalen Künstlergruppe Cobra, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstand.

Zur Geschichte: Entstanden ist das Rijksmuseum als private Initiative des Textilfabrikanten Jan Bernard van Heek. Dessen 140 Werke, hauptsächliche Gemälde vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert, bilden die Grundlage des Museums, das 1930 eröffnet und im gleichen Jahr an den Staat übergeben wurde.

In seinen Anfängen war das Museum sowohl ein Kunstmuseum als auch historisch-kulturgeschichtliches Museum. So beherbergte es die Sammlung der Oudheidkamer Twenthe. Später kam es zur Trennung und Verlagerung dieses Sammlungsteils in das Museum „Twentse Welle". Private Stifter haben zum Wachstum des Bestands auf über 8000 Objekte vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart maßgeblich beigetragen:

In den 1960er Jahren stifteten die Textilfabrikanten J.B. Scholten und M.G. van Heel ihre großen Gemäldesammlungen des 17. und 19. Jahrhunderts.

In den 1990er Jahren bereicherten J.M. van Kempen mit hunderten Druckgraphiken, Zeichnungen und Büchern und die Martens-Mulder-Stiftung mit Silber aus dem 17. und 18. Jahrhundert das Museum.

Der Sammler Karel Levisson schenkte dem Museum hunderte von Zeichnungen und Druckgraphiken aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Die Sammlung des Depots VBVR bereichert seit 1965 das Museum mit über 1000 Werken moderner Kunst.

Zur Architektur: Die Architekten Karel Muller und Anton Beudt haben das Museum im Auftrag der Familie Van Heek gebaut. Die Anlage ähnelt einem Kloster. Die Absicht der Architekten war es, einen geschlossenen Komplex zu bauen, in dem Kunst in aller Ruhe betrachtet werden kann. Das Museum wurde mehrfach im ursprünglichen Stil erweitert.

In den Jahren 1994-1996 wurde das Museum durch Ben van Berkel umgebaut: Er baute einen neuen modernen Schausaal und das Museumscafe. Die Gebäude wurden mit einer Klimaanlage ausgestattet. Der Museumsgarten im Innenhof wurde vom Landschaftsarchitekten Lodewijk Baljon entworfen.

Durch die Explosion der Feuerwerksfabrik von Enschede am 13. Mai 2000 wurde das Gebäude schwer beschädigt, nicht aber die Sammlung. Es blieb bis zum 14. Mai 2002 wegen Reparaturarbeiten geschlossen. An die Explosion erinnert heute immer noch ein gesplittertes Verbund-Sicherheitsglas-Fenster.

Eine Besonderheit: Überraschend ist die Art und Weise, wie die feste Sammlung des Museums unter dem Motto „Pfade ins Paradies" präsentiert wird. Der Initiator Atte Jongstra hat in einer ganz besonderen Art Kunstwerke aus der fernen Vergangenheit bis zum heutigen Tage zusammengefasst. Entstanden ist ein Roman in zwölf Sälen mit dem verbindenden Thema „Paradies"

Highlight ab April- Der Flämische Barock: Ab April folgt ein weiteres Highlight: Vom 5. April bis zum 28. September 2014 ist die Ausstellung „Rubens, Van Dyck, Jordaens: Der Flämische Barock" zu Gast im Rijksmuseum Twenthe in Enschede. Die Ausstellung nimmt den Besucher mit auf eine Reise durch die Vergangenheit. Die Kunstausstellung nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch Kirchen und Schlösser, aber auch hinter die Kulissen der feinen Bürgerhäuser.

Die Ausstellung im Kunstmuseum in Enschede ist eine Geschichte voller Innovation, Status und erfolgreichem Marketing der Künstler, aber auch vom täglichen Leben, den Sorgen des Alltags und dem intimen Familienleben. Eine Geschichte, die Klischees entkräftigt und Ähnlichkeiten zwischen den Flamen und den „nüchternen Holländern" aufdeckt. Anhand von 50 Gemälden gibt die Ausstellung einen Einblick in die Bedeutung, Funktionsweise und Wirkung der Kunst aus Antwerpen des 17. Jahrhunderts. Der Großteil dieser Meisterwerke, eine Leihgabe des Königlichen Museums für Schöne Künste Antwerpen, wurde in den Niederlanden noch nie gezeigt.

Das am Lasondersingel 129-131 gelegene Reichsmuseum Twente ist dienstags bis sonnabends und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Nähere Informationen unter der Telefonnummer (0031) 534358675, E-Mail: info@rijksmuseumtwenthe.nl, Internet: www.rijksmuseumtwenthe.nl.

(c) Grafschafter Nachrichten 2014. Alle Rechte vorbehalten Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Grafschafter Nachrichten GmbH & Co. KG.

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