Rijksmuseum Twenthe

Der Neue Geschmack

Vom 17. Januar bis zum 21. August 2016 - Von Jacob Jordaens bis Damien Hirst, von Daubigny bis Jitish Kallat: Die Ausstellung Der Neue Geschmack. Die Kunst des Sammelns im 21. Jahrhundert bietet zahlreiche Höhepunkte aus der Sammlung von Geert Steinmeijer. 

Steinmeijers Welt

Steinmeijer, der Hartmans Gartenmöbel zu einem erfolgreichen Exportartikel gemacht hat, ist nicht nur Geschäftsmann und Investor, sondern auch Sammler. Seit dem Moment seines ersten Ankaufs im Jahr 1993 ist er von Kunst fasziniert. Seither hat er eine facettenreiche, weltumfassende Sammlung zusammengetragen. Dem Museumsbesucher bieten sich Kreuzabnahmen aus dem Mittelalter, amerikanischer Abstraktionismus sowie französische Salon Kunst. Steinmeijer sammelt jedoch auch zeitgenössische Kunst aus Deutschland und China, Länder mit denen er inzwischen gut vertraut ist. Die Ausstellung gewährt Einblicke in die sich abwechselnden Welten, in denen sich Steinmeijer bewegt.



Über Geschmack lässt sich nicht streiten

Anhand dieser Ausstellung geht das Rijksmuseum Twenthe auf Entwicklungen innerhalb des Kunstsammelns und dem damit eng verbundenen Entstehen eines neuen Geschmacks ein. Dieser neue Geschmack ist subjektiv und vielseitig. Die Grenzen zwischen gutem und schlechtem Geschmack, zwischen hoher und niedriger Kunst, lösen sich allmählich auf. Gegenwärtig wird alles toleriert. Der Spruch “Über Geschmack lässt sich nicht streiten” war noch nie so von Bedeutung wie heute, was nicht heißt, dass man über Geschmack nicht diskutieren kann. Der Ausstellungsbesucher wird dazu angehalten, so wie Steinmeijer, über den eigenen Geschmack nachzudenken.


Privatsammler

Die Grundlage fast aller musealen Sammlungen in den Niederlanden bilden Privatsammlungen, die im Laufe der Zeit in die Bestände der Museen eingeflossen sind. Das trifft auch auf das Rijksmuseum Twenthe zu. Verschiedene Sammler, die zur Bereicherung der Museumssammlung beigetragen haben, wurden in ihrer Sammeltätigkeit von einer spezifischen Ausrichtung ihres Geschmacks geleitet. Jan Herman van Heek, der erste Direktor des RMT, hegte eine Vorliebe für Kunst aus dem Mittelalter, die er leidenschaftlich sammelte. Ein anderes Vorbild ist Jan Bernard Scholten: Dieser sammelte Werke, die aus der Haager Schule und der mit dieser eng verwandten Schule von Barbizon hervorgingen. Seine Sammlung vergegenwärtigt den typisch moderaten Geschmack, der am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden vorherrschte. Ganz andere Vorlieben hegten die Galeristen Geert van Beijeren und Adriaan van Ravesteijn, die mit Art & Project zu den niederländischen Pionieren der konzeptuellen Kunst zählten. Ihr spezifischer Geschmack zeigte sich unübersehbar in ihrer eigenen Kunstsammlung. Die Sammlungen – und der diesen zugrunde liegende Geschmack – all dieser Sammler sind für die heutige Sammlung des Museums konstituierend. In der Sammlungspräsentation Das Haus Van Heek kommt ihnen die gebührende Aufmerksamkeit zu. 



Das neue Sammeln

2015 erkennt das Rijksmuseum Twenthe in Geert Steinmeijer einen neuen Typ von Sammler, der sich weder von geographischen noch von historischen Grenzen einschränken lässt und der sich nicht ausschließlich auf gewisse Künstler oder spezifische Stile und Strömungen spezialisiert. In seiner Sammlung finden traditionelle europäische Malerei und Bildhauerei ebenso einen Platz wie moderne sowie zeitgenössische Kunst aller Kontinente. Der Sammler lässt sich nicht von einer einzigen Vorliebe oder einer bestimmten Geschmacksrichtung leiten, sondern er sammelt eklektisch: Kreuz und quer durch die Kunstgeschichte. Überdies sammelt er global: Kunst aus der ganzen Welt, vor allem aus Ländern mit aufstrebenden Kunstmärkten, wo es noch jede Menge zu entdecken gibt. Steinmeijer ist impulsiv und vertraut seinem Gefühl. Anderseits lässt er sich von verschiedenen Experten optimal informieren. Denn schließlich zählen neben der Intuition des Sammlers vor allem die Qualität, Authentizität und Wertbeständigkeit der Werke.


Publikation

Zur Ausstellung erscheint ein einzigartiges Magazin, das dem Thema Geschmack und Kunstsammeln gewidmet ist. Es umfasst reichlich Bildmaterial und ein Interview mit Steinmeijer, sowie betrachtende Essays und Interviews mit diversen Vertretern des Kunstbetriebs. Die Publikation ist im Museumsladen erhältlich.