Rijksmuseum Twenthe - Het kunstmuseum van Enschede

Jaap Drupsteen. The Rhythm Painter

Vom 10. April bis zum 2. Oktober 2016. Stellen Sie sich einen Raum von etwa 400 Quadratmeter vor, in dem sich zwölf kolossale, auf Wände projizierte, abstrakte Bilder befinden. Leicht hypnotisierende Abstraktionen, die sich dauerhaft verändern. Die Bilder pulsieren zu einem Rhythmus von sieben verschiedenen Musikströmen, welche auf ein Tempo synchronisiert sind. Bild und Musik fließen zu einer ganz besonderen sinnlichen Erfahrung, nämlich zu einer Synchresis, zusammen. Das Bild schwingt, ebenso wie die Musik. Das ist die Installation Rhythm Painter von Jaap Drupsteen, deren Präsentation in unserer Einrichtung erfolgt. 

Jaap Drupsteen ist bereits fast 40 Jahre auf der Suche nach dem perfekten Zusammenspiel zwischen Bild und Ton. Sein magnum opus ist ab April 2016 im Rijksmuseum Twenthe unter dem

Titel The Rhythm Painter – audiovisuelle Abstraktionen von Jaap Drupsteen zu sehen.


The Rhythm Painter im RMT

The Rhythm Painter ist als eine audiovisuelle Installation konzipiert, welche alle Ecken und Wände eines gut 400 Quadratmeter fassenden Ausstellungssaals ausfüllt. Eine Installation, die sich aus dutzenden audiovisuellen Kompositionen zusammensetzt, die zu einem zusammenhängendem Erlebnis verschmelzen.

The Rhythm Painter ist ein Auftrag für ein neues Werk, welches in zwei Formen in die Kollektion

des Rijksmuseums Twenthe aufgenommen wird: einerseits als jene saalfüllende Installation

mit zwölf verschiedenen Projektionsflächen und andererseits als eine komprimierte Variante,

welche in einem normalen Ausstellungssaal mit der Größe von 80 bis 150 Quadratmeter

installiert werden kann. Die Präsentation im Rijksmuseum Twenthe 2016 ist zwar somit

ortsspezifisch, jedoch können spätere Präsentationen an viele weitere Säle angepasst werden.


Wer ist Jaap Drupsteen?

Drupsteen wurde an der Akademie für Kunst und Industrie, Enschede (AKI) ausgebildet. Er

arbeitete als Grafiker unter anderem für die niederländischen öffentlich-rechtlichen

Rundfunkgesellschaften NTS, NOS, VPRO und VARA, bei denen er sich auf das Erstellen

 von Titelmelodien, Musikvideos und Videoproduktionen spezialisierte. Des Weiteren war er auch kreativer Leiter von Signum (BBDO – Gruppe). Einen hohen Bekanntheitsgrad erwarb er durch den Entwurf des niederländischen Personalausweises und einer Serie von Geldscheinen für die niederländische Zentralbank (10, 25, 100 und 1000 Gulden), welche mit der Einführung des Euros wieder aus dem Zahlungsverkehr entfernt wurden. Er entwarf auch die Hinterseite des Gebäudes des Instituts für Bild und Ton (Medienarchiv und -museum) in Hilversum.


Die Suche nach Synchresis

Drupsteens Werk ist das Ergebnis einer Synchresis-Studie. Dabei handelt es sich um ein Konzept

des französischen Komponisten und Theoretikers Michel Chion. Synchresis umschreibt jener als

the forging of an immediate and necessary relationship between something one sees and something one hears at the same time. Chion entwickelte seine Theorien, indem er häufig die

Tonanwendungen beim Film analysierte. Er kommt zu dem Schluss, dass das Zusammenfügen von

Bild und Ton einen unvermeidbaren Effekt auf den Wahrnehmer habe. Er bezeichnet es als den

audiovisuellen Vertrag: a kind of symbolic contract that the audio-viewer enters into, agreeing to

think of sound and image as forming a single entity. Dabei handele es sich um einen wechselseitigen Effekt: Das, was Auge und Ohr empfinden, würde durch die gemeinsame

Wahrnehmung beeinflusst. Sie fügten sich dabei einen Wert aneinander zu: on the other hand,

image makes us hear sound differently than if the sound were ringing out in the dark.


Ein technisches Problem

Die Suche nach der perfekten Synchresis schließt nicht nur eine künstlerische Frage, sondern auch

eine viele Jahre andauernde Suche im Bereich der Technologie ein, die Jaap Drupsteen,

in Zusammenarbeit mit anderen, erst kürzlich hat abschließen können. Schon lange ist eine Menge an Software verfügbar, mit der Synchronität bewerkstelligt werden kann; das universelle Problem liegt jedoch darin, dass Animationen zwar einer Audiospur folgen, jedoch nicht genau aufeinander abgestimmt werden. Audioaufnahmen von Rhythmen werden, auch wenn sie digital in der höchsten Qualität aufgenommen worden sind, im Visuellen immer in Wellenformen umgewandelt. Selbst ein kurzes „Tick“ benötigt eine minimale Anstiegszeit, um zur vollen Stärke zu gelangen. Audiogesteuerte Bildimpulse bewegen sich in ihrer Darstellung daher unpräzise und zeigen kaum einen Unterschied zwischen großen und kleinen Tönen. Sie werden nie „swingen“, so wie es Drupsteen ausdrückt. Das gelingt nur bei Animationen, die direkt von den musikalischen Quellen angeregt werden und auf die Millisekunde genau erscheinen.


Unterschiede in der Zeitmessung

Gemeinsam mit der künstlerischen Qualität in seinen audiovisuellen Produktionen ist Synchronität

ein weiterer Faktor, den Jaap Drupsteen auszeichnet.

Eine wichtige Ursache für die mangelnde Sychronität muss in den Unterschieden in der

Zeitmessung zwischen dem Video- und dem Audiosektor gesucht werden. Die musikalische

Einteilung in Grundschläge und Takte, die in variablen Tempi sich bis weit hinter dem Komma

Unterscheiden können, schließt nicht an die linearen, relativ groben Zeiteinheiten in FPS (frames per second) der Geräte an, mit denen visuelle Medien erstellt werden. Im Audiosektor funktioniert es hingegen besser; Musiksoftware kann eine zeitliche Verbindung ermöglichen – bei jeder Note ist ein Video-Zeitcode vorhanden – sodass sich dadurch eine große Kluft zum visuellen Sektor auftut. Das wird allen voran deutlich, wenn Bewegungen in Bildern an Rhythmen gekoppelt werden müssen. Wiederholende Muster werden bei einer Audiosoftware einfach kopiert oder automatisch

wiederholt. Bei einem Videoprogramm ist das auch möglich, aber jedes zu wiederholende Fragment kann nur an bestimmten Punkten in der frame-rate von beispielsweise 25 frames pro Sekunde beginnen. Das läuft in etwa so ab, als ob diese Punkte in ein grobes Zahnrad fielen. Nach zwei Wiederholungen sind sie schon so weit verschoben, dass das Bild asynchron verläuft. Im visuellen Sektor kann man dieses Problem nicht mit der bestehenden Software beseitigen. Seit 1979 hat Jaap Drupsteen von Zeit zu Zeit an einer technischen Lösung für diese Frage gearbeitet. Durch seine jahrzehntelang andauernde Beschäftigung mit diesem Thema ist es ihm letztendlich auch gelungen, diese Kluft aufzuheben. Seit ungefähr 2000 produziert Drupsteen nun motion graphics, die langanhaltend synchron zu Rhythmen verschiedener Tempi verlaufen können.


Für mehr Informationen über Jaap Drupsteen und seine Arbeit, siehe www.drupsteen.nl