Rijksmuseum Twenthe

Ich spiele, also bin ich

Vom 9. Juli bis zum 22. Oktober 2017 – Kinetische Installationen von Eibert Draisma, Zoro Feigl, Mertens & Visser, David Scheidler, Bert Schoeren, Peter Zegveld und Christiaan Zwanikken.

Gespenst

An der Wand hängt ein schlaffes, weißes Tuch. Doch wenn man einen roten Knopf betätigt, beginnt das Tuch auf einem aufziehenden Wind zu tanzen. Vor unseren Augen wandelt sich das Tuch in ein Gespenst. Wir werden soeben von einer magischen Denkweise eingenommen, einer Fähigkeit, die wir im Laufe des Erwachsenwerdens verloren haben. Es mag ein kindliches Vermögen sein, aber es beherbergt eine große, kreative Kraft, die nicht von den Grenzen der Vernunft beschränkt wird.



Der Künstler Peter Zegveld, der Schöpfer von Spookje (Gespenst), spielt mit unserer Vorstellungskraft. Jedoch nicht nur das Kunstwerk selbst ist ein Spiel, der Schaffensprozess an sich ebenfalls. Seine Werke entstehen durch Experimentieren, Zergliedern, Fehlschlagen und Weitermachen. Diese Mentalität, bei der ein verspielter Experimentiertrieb die Quelle des Kunstwerkes ist, bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung Ich spiele, also bin ich. Alle sieben teilnehmende Künstler arbeiten auf eine verspielte und untersuchende Art und Weise. Freiheit ist dabei eine Bedingung. Nicht eine zuvor angegebene Idee ist bestimmend, sondern die Möglichkeiten, die sich im Prozess vortun. Es geht nicht um das Suchen, sondern um das Finden: das Auffinden neuer Bilder und neuer Erfahrungen. Aber auch um das Entdecken unerwarteter Schönheit im Alltäglichen.


Homo ludens

Das Spiel als Entwicklungsquelle wurde zum Ende des 18. Jahrhunderts schon vom deutschen Dichter und Philosophen Friedrich Schiller erkannt. Er schrieb: „der Mensch ist nur dann ganz Mensch, wo er spielt.“ Für Schiller war das richtige Spielterrain die ästhetische Welt, die Welt der Kunst. Über Rituale, Tabus und Symbole kreiert der Mensch ein symbolisches Universum, welches Erleuchtung bietet, so Schiller. Das Spiel der Kunst – das Ausdruck-Verleihen an die Fantasie – macht den Menschen zum Menschen.

Auch für den niederländischen Historiker Johan Huizinga ist der Mensch ein homo ludens, ein spielender Mensch. Er betrachtete das Spiel noch expliziter als Entwicklungsquelle. Alles, was wir als Kultur bezeichnen, stammt nach Huizinga aus dem Spiel. Laut seinem berühmten Buch Homo Ludens muss das Spiel jedoch aus einer freien Handlung entstehen, mit der kein direkter Nutzen oder materielles Interesse verbunden ist. Huizinga schrieb dieses Werk 1938, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Es kann als ein Plädoyer für die Freiheit verstanden werden, denn nur in der Freiheit kann das Spiel sich entfalten und Kultur sich entwickeln.




Teilnehmende Künstler

Die teilnehmenden Künstler teilen nicht nur eine Mentalität. Sie haben auch gemeinsam, dass ihr Experimentiertrieb in bewegende und häufig auch interaktive Installationen resultiert. In der Ausstellung sind Werke von Eibert Draisma, Zoro Feigl, Martens & Visser, David Scheidler, Bert Schoeren, Peter Zegveld und Christiaan Zwanikken zu sehen.