Rijksmuseum Twenthe - Het kunstmuseum van Enschede

Liebe & Leid

Vom 8. September bis zum 20. Januar 2019 – In der Ausstellung Liebe & Leid zeigt das Rijksmuseum Twenthe Familienporträts, die beim ersten Anblick realistisch erscheinen, aber denen etwas Sonderbares anhaftet. In früheren Zeiten wurden „Familienfotos“ auch nach Wünschen bearbeitet. Das Photoshop-Prinzip ist jahrhundertealt.


Laut stilistischen Analysen oder Studien bezüglich der biografischen Daten, die von den Familien bekannt sind, stellt sich heraus, dass die Porträts in dieser Ausstellung nicht immer so wahrheitsgetreu sind. In dem Jahr, in dem ein Porträt gemalt wurde, zählte die darauf dargestellte Familie beispielsweise fünf Kinder, während sieben Kinder darauf abgebildet sind. In anderen Fällen werden verstorbene Familienmitglieder als lebende Figuren dargestellt. So ließ der Beambte Willem van den Kerckhoven aus Den Haag sich von Jan Mijtens mit seiner Frau und all seinen 14 Kindern porträtieren. Fünf der 14 Kinder waren bereits verstorben und erhielten einen Platz als Engel in der Luft schwebend. Als drei Jahre danach noch ein Sohn auf die Welt kam, wurde das Kind neben dem Knie des Vaters „eingefüllt“. Das „Familienfoto“ war wieder komplett.



Die Familie wieder „up to date“

Auch wenn ein Gemälde einmal vollendet worden war, konnte noch so gut wie alles daran angepasst werden. Nach der Schließung einer neuen Ehe oder der Geburt des Kindes wurde das Porträt wieder „up to date“ gemacht. Des Weiteren wurden dabei Figuren auch weggemalt, weil jemand verstorben war oder wegen eines Familienstreits, der die Verstoßung eines Mitglieds zur Folge hatte. Im Portät von Wybrand Hendriks, welches den Amsterdammer Kaufmann Jacob Feitama und seine Ehefrau Elisabeth de Haan darstellt, war beispielsweise noch eine zweite Frau abgebildet, vermutlich eine ihrer Töchter. Sie ist aus dem Porträt verschwunden.




Photoshoppen

Wo heutzutage das Photoshoppen uns ermöglicht, ein scheinbar lebensechtes Photo zu manipulieren, stellt sich auch heraus, dass die scheinbare Lebensechtheit von Familienporträts aus früheren Jahrhunderten all zu häufig verhüllt, dass allerlei Kunstgriffe angewandt worden sind. Der Haager Maler Jan Mijtens war ein Spezialist auf dem Gebiet von Familiendarstellungen und nahm es regelmäßig mit der Realität nicht so genau. Doch beispielsweise auch Bartholomeus van der Helst, Nicolaes Maes und Gerard ter Borch machen sich daran schuldig. Insgesamt werden etwa 40 Gemälde und Pastellbilder im Rijksmuseum Twenthe zu sehen sein.


Die Familie von Verspronck

Einer der Höhepunkte in der Ausstellung ist die Wiedervereinigung des berühmten Meisje in het blauw (Rijksmuseum, Amsterdam) mit ihren Eltern. Alle drei wurden um 1641 von Johannes Cornelisz. Verspronck gemalt. Auch hier hat sich sozusagen eine Familientragödie ereignet, als das verletzliche Meisje in het blauw 1922 von ihren Eltern getrennt wurde. Mutterseelenallein zog das Mädchen in die Ehrengalerie das Rijksmuseums. Über Umwege kamen ihre Eltern ins Rijksmuseum Twenthe. Extra für Liebe & Leid sind Vater, Mutter und Tochter für vier Monate wieder vereint.