Rijksmuseum Twenthe

Ars Longa, Vita Brevis

Ab dem 24. Juni 2018 – Ars Longa, Vita Brevis („die Kunst ist lang, das Leben kurz") ist die neue Kollektionspräsentation des Rijksmuseums Twenthe, mit dem Hauptthema „conditio humana“.


Das Leben des Menschen in neun Episoden

Das Museum hat neun Künstler eingeladen, jeweils einen eigenen Saal mit einem Teil der Museumskollektion einzurichten und es dabei mit einem bestehenden oder neuen Kunstwerk des Künstlers in Relation zu setzen. So entstehen insgesamt neun aufeinanderfolgende Kabinettte, in denen die Künstler mit ihren Installationen die Geschichte von „La condition humaine“ im 21. Jahrhundert erzählen.


Die Künstler, die für Ars Longa, Vita Brevis ein Kabinett einrichten werden, sind u.a. Armando, Karin Arink, Jan Fabre, Bart Hess, Berend Strik, Anne Wenzel und Peter Zegveld. Ihre Installationen folgen verschiedene Phasen aus dem Menschenleben, beginnend mit der Begierde im ersten Saal und endend mit „memento mori“ im letzten Saal: das menschliche Leben in neun Episoden.


Berend Strik,  Decipher the artist's mind...(studio BJA), 2016


Conditio humana

„Religion und Humor sind Methoden, um nicht daran zu denken, dass wir sterben, Kunst verführt uns das eben schon zu tun.“ Diese Aussage stammt vom bildenden Künstler Joost van den Toorn und ist eine Antwort auf die Frage, worum es letztendlich in seinem Werk geht. Für ihn ist Kunst eine Methode, um der Angst, in diesem Fall der Angst vor dem Tod, in die Augen zu blicken und um daraufhin damit umgehen zu können.


Eine andere Strategie ist von der Angst wegzuschauen, indem man zum Beispiel eine vollendete Welt in Aussicht stellt. Die Religion, und das Christentum besonders, bot in Europa über Jahrhunderte hinweg eine befriedigende Antwort auf die Unvollkommenheit der menschlichen Existenz. Im Himmel erwartete den Gläubigen ein Zustand der Harmonie, der bis in die Unendlichkeit andauern würde. Ganz im Gegensatz zu der unvollkommenen, irdischen Wirklichkeit, die allen voran durch einen fundamentalen Dualismus gekennzeichnet ist. Denn das Gute besteht nicht ohne das Böse und die Schönheit niemals ohne das Hässliche.


Im Laufe des 20. Jahrhunderts waren die Existenz eines Ordnung schöpfenden Gottes und die Aussicht auf himmlische Erlösung immer weniger eine befriedigende Antwort auf den menschlichen Mangel. Gerade die Idee, dass wir Menschen niemals den vollendeten Zustand erreichen werden, bestimmte ab dem 20. Jahrhundert, wie wir über uns selbst denken. Unsere Realitat wird von Widersprüchen durchschnitten. Unsere Welt ist fundamental dualistisch, und der menschliche Kampf und der Zwiespalt sind unauflösbar.


Die Künste bieten, im Gegensatz zur Religion, keine abschließenden Antworten auf dieses Defizit. Jedoch wagen sie einen Versuch, um uns in bestimmter Weise verhalten zu lassen. Das Kunst-Machen und Kunst-Betrachten kann eine Methode sein, um mit dem Mangel umzugehen. Gerade, indem man in die Dualität der menschichen Existenz hineinzoomt. Darum ist „La condition humaine“, und dann besonders die des 21. Jahrhunderts, welche von dieser Dualität durchdrungen ist, das beherrschende Thema von Ars Longa, Vita Brevis.



Peter Zegveld, Die Treppe


Ars Longa, Vita Brevis

Die neun Episoden von Ars Longa, Vita Brevis sind alle durch die oben beschriebene Dualität gekennzeichnet: Begierde, Bedürfnis und Beherrschung, Das Mysterium und dessen Verlust, Spielen und im Zaum halten, Verbundenheit und Freiheit, Die Willenskraft und das Unvermögen, Kontrolle und Loslassen, Treue und Untreue und letztendlich Memento mori.