Rijksmuseum Twenthe - Het kunstmuseum van Enschede

Bernard Heesen und der Wahnsinn des 19. Jahrhunderts

Bis zum Ende des Jahres verlängert - Bernard Heesen ist ohne Zweifel der verschrobenste und eigensinnigste Glaskünstler der Niederlande. Im Rijksmuseum Twenthe zeigt er sein rezentes Werk, inspiriert von dem, was oft 'die hässliche Zeit' genannt wird: die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts mit all seinen Neostilen.

Enzyklopädische Glaswerke

'Blast das mal nach!', sagt Bernard Heesen zu einem Team der acht besten Glasbläser von Bohemen, die mit fragenden Blicken auf seine Instruktionen warten. Beim 'das' zeigt Heesen auf die irrsinnigen Gravuren von Kannen, Vasen und Arabesken aus einer Enzyklopädie aus dem 19. jahrhundert, die er gerade angeschafft hat. Das Nachschlagewerk bot Rettung in dem Moment, als seine Faszination für das Glas ab zu ebben schien. Sein Umgang mit dem flüssigen Glas war im Laufe der Jahre stets einfacher geworden und die Grenzen der technischen Möglichkeiten schienen erreicht. Aber mit seiner gerade angeschafften Enzyklopädie fand er eine neue Inspirationsquelle. 'Das eine nach dem anderen hässlichen Werk wurde mit unglaublich viel Spaß bis ins Detail ausgearbeitet', so Heese.


Von diesem Moment an formten die Abbildungen des 19. Jahrhunderts den Ausgangspunkt vieler seiner Gläser. Dabei geht es nicht so sehr um das Nachbilden an sich, es ist eher eine Strategie, um zu Formen und Objekten zu gelangen, die er sich selbst niemals hätte ausdenken können. Während der Blaserei sucht Heesen die Grenzen der Ornamentik und des Hässlichen. Er kreiert Glas 'wie du es in Palästen sehen und auf Flohmärkten finden willst, glänzend und üppig dekoriert.'

        

Die Faszination von Heesen für die Ornamentik des 19. Jahrhunderts geht übrigens weit zurück. Seit seiner frühen Jugend sammelt er Enzyklopädien aus dieser Periode. Es ist die Zeit der aufkommenden Industrialisierung und die damit verbundene Massenproduktion. Industriell gefertigte Produkte wurden in historischen Stilen ausgeführt und so entstanden die Neogotik, der Neoklassizismus, der Neobarock und so weiter. Stile die - schon zu der Zeit - assoziiert wurden mit schlechtem Geschmack. Auch das ist ein Grund dafür, dass die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts oft als 'die hässliche Zeit' bezeichnet wird. Aber anstelle von 'hässlich'  spricht Heesen lieber von 'Wahnsinn', der Wahnsinn des 19. Jahrhunderts.


Bernard Heesen, Goldene Glaswerke  (Foto: Ben Deiman) 


Ausstellung

In der Ausstellung des Rijkmuseums Twenthe geht es um den Einfluss des 'Wahnsinns des 19. Jahrhunderts' auf das Werk von Heesen. Bereits das Glas der Ausstellung geht zurück auf die Gravuren des 19. Jahrhunderts und fast das gesamte Werk ist kürzlich von Heesen gemacht worden, speziell für dieses Projekt. Lebensgroße Drucke von den Gravuren und Enzyklopädien aus Heesens eigener Sammlung erwecken seine Welt zum Leben.


Über Bernard Heesen

Bernard Heesen (1958) ist gelernter Architekt, aber beschäftigt sich mit dem Glasblasen seitdem sein Vater Willem Heesen ihn um Hilfe in seiner Glasblaserei De Oude Horn bat. Ungehindert des Wissens über das Glasbläserfach und der Tradition des Gewerbes, beginnt er seine Suche nach den Möglichkeiten des Materials. Mitte der Achtziger Jahre entscheidet sich Heesen definitiv fúr die 'Glaskunst' und 1993 übernimmt er De Oude Horn von seinem Vater. Das Werk Heesens wird von einer Vielzahl Museen gesammelt und gezeigt. Das Rijksmuseum Twenthe besitzt rund hundert Objekte aus seiner Hand, darunter fünf eindrucksvolle Kronleuchter, die er speziell für den Empfangssaal des Museums ('Gobelinzaal') anfertigte.


Bernard Heesen bei der Arbeit in De Oude Horn in Acquoy (Foto: Ben Deiman)