Rijksmuseum Twenthe - Het kunstmuseum van Enschede

Inge Reisberman. Respice Finem

Vom 27. Januar bis zum 16. Juni 2019 - „Respice Finem“ oder „Bedenke das Ende“ ist eine Serie von fünf Videos von Inge Reisberman. Reisberman arbeitete die letzten zwei Jahre an dieser Serie, die im Rijksmuseum Twenthe ihre Premiere erleben wird.


Du sollst dich nicht umdrehen

Reisberman ließ sich für die Videoserie von der Bibelgeschichte über die Vernichtung der Städte Sodom und Gomorra inspirieren. Als Strafe für den moralischen Verfall der Einwohner werden beide Städte von Gott in einem Schwefel- und Feuerregen zerstört. Nur die Familie von Lot wird gerettet, unter der Bedingung, dass während der Flucht ein Gebot befolgt wird: du darfst dich nicht umdrehen. Die Frau von Lot kann jedoch ihre Neugier nicht im Zaum halten und blickt zurück, um die Vernichtung anzusehen, woraufhin sie sich in eine Salzsäule verwandelt.


Keinen Widerstand der Neugier leisten: dabei handelt es sich um eine Eigenschaft der mensch-lichen Natur, die desaströse Folgen haben kann, so wie im Falle von Lots Frau beschrieben. Aber eben diese Neugier kann auch „zeitlose“ Momente hervorbringen, so wie es Reisberman mit Respice Finem verdeutlicht.


Vernichtung und Schönheit

In Zeitlupe sehen wir Schutt herabfallen und wie eine Staubwolke Besitz von Raum ergreift. Der Schutt und der Staub wirken wie Elemente, die wir nicht beherrschen können; mit ihrer vorüber-gehenden Anwesenheit nehmen sie die Räume ein. Dadurch verbirgt sich in den Videos ein Anschein von Gefahr oder Vernichtung, doch gleichzeitig weisen die Bilder eine verstummte Schönheit auf.


Gerade die Kombination aus Gefahr und Schönheit ist das bewährte Konzept der Malerei der Romantik. Und ebenso wie die Romantiker ruft Reisberman in ihrem Werk ein unbestimmtes religiöses Gefühl hervor. Ein Gefühl, welches die Künstler jener Epoche durch die überwältigende Naturgewalt heraufbeschwören und welches bei Reisberman durch die Ungreifbarkeit der „Elemente“ ausgelöst wird. Der deutsche Historiker Rüdiger Safranski bezeichnete die Romantik nicht umsonst als „die Fortsetzung von Religion mit ästhetischen Mitteln“.


Exitium


De Meelfabriek

Respice Finem besteht aus den fünf Videos Periculum, Exitium, Contemplatio, Circulus Vitae und Ars Moriendi. Alle fünf Filme sind in „De Meelfabriek“ (ehemalige Mehlfabrik) in Leiden aufgenommen worden. Reisberman hat dabei die Identität der verlassenen, industriellen Räume als Ausgangspunkt genommen und diese nicht angepasst. Für Periculum ist ein ein Silogang auf der sechsten Etage benutzt worden, für Ars Moriendi das ehemalige Kesselhaus und für Exitium, Contemplatio und Circulus Vitae das ehemalige Warenlager.


Inge Reisberman

Inge Reisberman (Almelo, 1959) studierte an der AKI in Enschede und lebt und arbeitet in Leiden. Ihr Werk is u.a. in die Collectie Wilploo und die Kollektion des Rijksmuseum Twenthe aufgenommen worden. Die Präsentation von Respice Finem findet unter den Auspizien der Collection Wilploo statt.


Die oben stehende Beschreibung der Ausstellung basiert auf Texten von Michael van Hoogenhuyze, Ingrid Blans und Inge Reisberman.


Periculum