Rijksmuseum Twenthe - Het kunstmuseum van Enschede

Fons Brasser. Berlin Geisterbahn

Vom 9. November bis zum 16. Februar 2020 – Am 9. November wird es genau 30 Jahre her sein, dass die Berliner Mauer fiel. Zur Erinnerung an dieses historische Ereignis zeigt das Rijksmuseum Twenthe ab November 2019 die Fotoserie „Berlin Geisterbahn“ von Fons Brasser, bestehend aus 118 Photos von verfallenen und nicht mehr genutzten S-Bahnstationen im damaligen West-Berlin.

Der Photograf und Bildhauer Fons Brasser (Haarlem, 1944) machte die Serie im Zeitraum von 1983 bis 1986. Er nahm mit seiner Kamera alle 59 S-Bahnstationen im ehemaligen West-Berlin auf, wobei er immer dieselbe Formel anwandte: ein Photo vom Bahnhofseingang und ein Photo vom verlassenen Bahnsteig. Die Serie von insgesamt 118 Photos erschien in fünffacher Auflage, wovon Brasser eine an das Rijksmuseum Twenthe 2009 als Spende zukommen ließ. Mit der Ausstellung Fons Brasser. Berlin Geisterbahn wird die Serie zum ersten Mal im RMT gezeigt.



Fons Brasser, Berlin Geisterbahn - Wannseebahn: Botanischer Garten (Vorderseite und Bahnsteig), 1983


Geisterbahnen

Berlin Geisterbahn ist Brassers erstes große Photoprojekt. Der Anlass hierfür war ein Besuch am Reichssportfeld in West-Berlin, wo 1936 die Olympischen Spiele stattfanden. Einst transportierte die S-Bahn täglich zwei Millionen Menschen, 40 Züge fuhren pro Stunde, aber während Brassers Besuch war die Strecke ausgestorben. Der „düstere Zugang zu den Bahnsteigen“ und die „einsamen, verwahrlosten Bahnlinien“ reizten ihn jedoch so sehr, dass er sich in die Geschichte der S-Bahn vertiefte.


Dokument des Kalten Krieges

Mit dem Bau der Mauer 1961 wurde auch das S-Bahnnetz getrennt. Ost- und West-Berlin stimmten überein, dass Ost-Deutschland für den Betrieb des gesamten Schienennetzes verantwortlich sein soll. 1980 kam es zu einem Lohnstreik beim westdeutschen S-Bahnpersonal, woraufhin die DDR-Autoritäten eine große Anzahl der im Westen gelegenen Bahnhöfen schließen ließen. Die Geisterbahnen waren die Folge. Nach mehreren Jahren des Verhandelns beschlossen Ost- und Westberlin 1984, dass Westberlin die auf seinem Gebiet befindenden Strecken und Bahnhöfe übernehmen soll. Dabei verfolgte man die Absicht, jene Bahnhöfe zu einem späteren Zeitpunkt zu restaurieren.


Brasser fotografierte die Bahnhöfe in der Zeit, nachdem sie von ostdeutschen Verantwortlichen geschlossen und bevor sie von den Westdeutschen restauriert wurden. Anfangs verfolgte er ein dokumentarisches Ziel. Brasser machte von jedem Bahnhof eine Aufnahme des Eingangs und eine von den verlassenen Bahnsteigen. Die „Doppelporträts“ waren Teil einer größeren Sammlung: Brasser sammelte auch zahllose Karten und andere Dokumente, die mit der Geschichte der S-Bahn in Verbindung stehen. Jetzt sind die Photos auch künstlerische Dokumente des Kalten Krieges, Spuren der deutschen Geschichte. Sie zeigen Verlassenheit, Verfall und Niedergang, ohne jegliche Sentimentalität.




Fons Brasser, Berlin Geisterbahn - Kremmener Bahn - Schulzendorf (Bahnsteig), 1984