Rijksmuseum Twenthe - Het kunstmuseum van Enschede

Die nackte Wahrheit

Vom 27. Januar bis zum 16. Juni 2019
Wer sind wir und wie sind wir in sechs Jahrhunderten Zeit zu dem geworden, was wir sind? Das sind die großen Fragen bei der Ausstellung Die Nackte Wahrheit mit 100 Meisterwerken aus sechs Jahrhunderten Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Zeichnen und Filmen. Von Anthnie van Dyck bis Jeff Koons und von Rembrandt bis Marlene Dumas. Eine bildhafte Suche nach uns selbst mit dem nackten Menschen als Metapher. Diese Ausstellung handelt von uns allen!

Die nackte Wahrheit erzählt die Geschichte über die Entwicklung des westlichen Menschen von der Renaissance bis ins 21. Jahrhundert. Eine Ausstellung über den Menschen, der in seinem Wissensdurst und in der Selbstentfaltung sich traut, Unsicherheit und Zweifel zuzulassen, aber auch lernen muss, mit den Freiheiten und deren Folgen umzugehen, die er für sich selbst geschaffen hat. Wie wird sich der Mensch im kommenden Jahrhundert zu seinen technischen Erfindungen und zu den ökologischen Veränderungen, die er hervorruft, verhalten? Und wie lebt er gemeinsam mit den Menschen, die sein Weltbild nicht per se teilen?



Die Nackte Wahrheit erzählt eine im Ursprung westliche, aber aktuell weltweit geltende Geschichte anhnand von sechs Jahrhunderten bildende Kunst in 100 Werken von Marina Abramovic, G.H. Breitner, Berlinde und Bruyckere, Jan Sluijters, herman de vries, Andy Warhol, Carel Willin und vielen weiteren Künstern. In dieser Ausstellung werden die verschiedenen Kunstformen nicht voneinander getrennt, sondern sie ergänzen sich gegenseitig. Neben den zahlreichen Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen gibt es auch Raum für Prosa und Poesie. Eine individuell downloadbare Playlist wird als alternative Audiotour hinzugefügt.



Das skeptische Individuum

Im Sommer 2016 sprach der deutsche Philosoph und Historiker Rüdiger Safranski in De Balie in Amsterdam anlässlich eines Symposiums über die europäische Identität. Safranski nannte die „Erfindung“ des skeptischen Individuums die wichtigste neue Errungenschaft der europäischen, beziehungsweise der westlichen Kultur. Das skeptische Individuum ist der Mensch, der sich traut, Fragezeichen zu setzen bei dem, was über ihm steht; ob das jetzt Gott oder ein König ist. Darum ist die Demokratie eine westliche Errungenschaft, ebenso die Trennung von Kirche und Staat und die Gewaltenteilung von Montesquieu. Dabei handelt es sich um Maßnahmen für eine neue Balance zwischen den gemeinschaftlichen und den individuellen Belangen.


Seit der Jahrhundertwende sehen wir andauerend neue Entwicklungen, die das vermeintlich universelle (sprich: westliche) Weltbild bedrohen. Technische Entwicklungen, die uns helfen, aber die auch die zentrale Position des Menschen aufs Spiel setzen. Ökologische Entwicklungen: Internet und günstige Flüge haben die Welt zu einem globalen Dorf transformiert. Der Ruf nach einer Gesellschaft, an der sich alle beteiligen können, wird lauter. Die Emotionswellen schlagen höher und Menschen nehmen radikale Standpunkte ein. Ein jeder sucht seinesgleichen und zieht sich dorthin zurück. Mehr als je zuvor fragen wir uns, wer wir sind und wofür wir stehen.