Rijksmuseum Twenthe - Het kunstmuseum van Enschede

Anne Wenzel - Aesthetic Revolt

Vom 18. Oktober bis zum 12. April 2015. Anne Wenzel - Aesthetic Revolt.

Schattenseite der Realität

Wir denken normalerweise in Klischees, findet Anne Wenzel. Wenzel enträtselt und zergliedert Symbole, um sie darauf zurückzuführen, was sie wirklich sind. Die Serie Damaged Goods (2013) gibt die raue Realität des Krieges wieder. Wir denken gerne dass der Krieg heroisch ist, aber die Realität ist abscheulich und hat wenig mit Heroik zu tun. Indem sie die Antlitze der Büsten absichtlich entstellt, nimmt sie jenen ihren gehobenen Status. Die Büste als Galionsfigur der männlichen Macht wird zunichte gemacht. Die Vorstellung, dass ein Kunstwerk genauso gut sowohl durch den Aufbau als auch durch eine partielle Zerstörung einer Skulptur entstehen kann, ist für Wenzel entscheidend. Aufbau und Abbruch, Schönheit und Gewalt, Macht und Revolution: Wenzel sucht nach einem perfekten Gleichgewicht zwischen diesen scheinbar widersprüchlichen Dingen.


„Ikonographie spielt sich vor allem in unserem Kopf ab. Das sieht man an den Büsten aus der Serie Damaged Goods. Auch wenn ich sie im Schaffensprozess nicht vollende, die Basisform ist unglaublich stark und kann nicht zunichte gemacht werden, nur weil wir im "Vervollständigen“  unserer Wahrnehmung geübt sind.“



Fühlbare Vergänglichkeit

Die halb verwelkten Blumensträuße von Anna Wenzel aus der Serie Attempted Decadence (2014) verändern ihre Bedeutung durch den Kontext, in dem sie in diesem Museum gezeigt werden. Durch die Präsentation jener Blumengestecke in Kombination mit der Ausstellung Alexander Roslin. Porträtmaler der Aristokratie, werden diese Skulpturen ein sichtbarer Ausdruck der Vergänglichkeit. Eine Vergänglichkeit, die in den Gemälden von Roslin ungesehen bleibt, aber eben doch gefühlt wird. Roslin und seine Zeitgenossen wussten nicht, dass das Damoklesschwert über ihren gepuderten Köpfen hing, aber wir sind besser in Kenntnis gesetzt. Mit dem Wissen, welches wir besitzen, sehen wir das Werk Roslins in einem neuen Licht. In dem Licht der nahenden Revolution, die dem Leben, so wie es Roslin und seine Angehörigen kannten, ein Ende bereitete. Die Einrichtung von Wenzel macht diese Spannung fühlbar. Es sind eindringliche Skulpturen von Blumen in voller Blütenpracht, in denen der Verfall bereits eingesetzt hat.


„Da das Kunstwerk erst im Kopf von demjenigen entsteht, der es ansieht, bin ich mir andauernd des Betrachters bewusst. Mit Hilfe meiner Arbeit will ich dieses Denkmuster durchbrechen. Ich will dass die Klischees des Betrachters in Frage gestellt werden.“