Rijksmuseum Twenthe - Het kunstmuseum van Enschede

Endlich! De Lairesse

  • DATUM Zaterdag 1 oktober 2016
    tot en met
    Zondag 22 januari 2017
  • LOCATIERijksmuseum Twenthe

Vom 10. September bis zum 22. Januar 2017 – In den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts ist Gerard de Lairesse (1640-1711) der wichtigste Maler in den Niederlanden. Nach einer Flucht aus Lüttich wird De Lairesse in Amsterdam der größte Maler seiner Zeit. Gerard de Lairesse verkündet die klassische Schönheit und bestimmt damit das Kunstideal bis in das 19. Jahrhundert hinein. „Gerard de Lairesse war der größte Maler unseres Goldenen Zeitalters, nicht nach Rembrandt, sondern mit Rembrandt“, so Gregor Weber, Leiter der Abteilung Bildende Künste des Rijksmuseums Amsterdam und Kurator von De late Rembrandt. Doch wie kann es sein, dass sein Name nicht jedem bekannt vorkommt?

Unser nationales Selbstbild

Nach dem Ende der Batavischen Republik sind die Niederlande auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Von nun an passt De Lairesse nicht mehr in unseres nationalistisches Selbstbild. Er ist „zu französisch“ und klassizistisch, nicht „holländisch“ genug. Die wundervollen Arbeiten von Gerard De Lairesse wurden aus unserem nationalen Gedächtnis verdrängt, jedoch sollten die wahren Liebhaber sie nicht vergessen. Das Rijksmuseum Twenthe gibt Gerard de Lairesse mit der Ausstellung „Beauty Rules“ nun den Platz zurück, der ihm gebührt: den für den einflussreichsten und bewundertsten Künstlers des niederländischen Goldenen Zeitalters.



1665 Das Jahr der Revolution

1665 ist das Jahr, in dem ein kleiner, französischsprachiger Mann mit einem von der Syphilis entstellten Gesicht in Amsterdam ankommt. Es handelt sich um den Maler Gerard de Lairesse, der aus seiner Geburtsstadt Lüttich fliehen musste, um den Zorn zweier Schwestern zu entgehen. Da eine andere Dame sein Herz gestohlen hatte, konnte er seinem Eheversprechen, das er einer von ihnen gab, nicht nachkommen. Das wollten die Schwestern jedoch nicht zulassen, sodass sie den Künstler mit Messern bedrohten und de Lairesse letztendlich um sein Leben fürchten musste. Gemeinsam mit seiner Geliebten Marie Salme flüchtete er Hals über Kopf aus Wallonien. Nach einem Zwischenhalt in Utrecht erreichen beide, inzwischen getraut, Amsterdam. Kurz nach seiner Ankunft besucht De Lairesse seinen berühmten Kollegen Rembrandt van Rijn in seinem Atelier. Rembrandt fertigt in groben Farbstrichen ein Porträt von ihm an, in dem das angegriffene Antlitz von De Lairesse nicht schöner dargestellt wurde als es in Wirklichkeit war.


Perfekte Schönheit

Das Porträt dokumentiert nicht nur eine Begegnung zwischen zwei genialen Künstlern: es ist auch die Konfrontation zwischen zwei künstlerischen Sichtweisen. Hätte Rembrandt vermutet, dass De Lairesse schon bald der am meisten gefeierte und gefragteste Maler der Niederen Lande werden würde? Und hätte er erahnen können, dass der vor ihm posierende, entstellte junge Mann zu einem scharfen Kritiker seines Werkes werden würde, der das perfekte Schönheitsideal verbreitet?



Bejubelt

Zwischen 1665 und 1690 malt De Lairesse für steinreiche holländische Regenten hunderte Historienstücke, Porträts, Wanddekorationen, Deckengemälde und Bühnenbilder. Die Motive, die De Lairesse darstellt, sind fast alle aus der antiken Mythologie und der Geschichte entlehnt. Seine Kompositionen sind perfekt, die Figuren stark idealisiert und seine Farbpalette ist hell und farbenreich. Sein Stil wird von zahlreichen Malern bewundert und nachgeahmt. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms trifft ihn jedoch ein Schicksalsschlag: 1689 erblindet er aufgrund seiner Syphilis. Da er wegen jener Behinderung nie mehr malen konnte, beginnt er zu schreiben und das Ideal der klassischen Schönheit zu verkünden. So wurde er in den lezten zwanzig Jahren seines Lebens zum einflussreichsten Kunstpädagogen, den die Niederlande je hervorbrachten.


Verschmäht

Jedoch ist Ruhm vergänglich und die Kunstgeschichte nicht immer gerecht: die Gemälde und die Schönheitsideale von De Lairesse sind seit dem 19. Jahrhundert in den kunsthistorischen Übersichtswerken gemieden beziehungsweise sogar ganz weggelassen worden. Sein „importierter“ Klassizismus passte nicht in das nationale Selbstbild, so wie es in der „volkstümlichen“ Kunst von Malern wie Rembrandt, Hals, Steen und Vermeer zum Ausdruck kam.


Machbare Schönheit

In Beauty Rules erwacht anhand von Dutzenden Gemälden, Zeichnungen und Graphiken das künstlerische Weltbild von Gerard de Lairesse zum Leben. Ein Weltbild, in dem Schönheit machbar ist und die Themen erhaben sein müssen. De Lairesse kommt in der Ausstellung mittels verschiedener Traktate selbst zu Wort, in denen er die rationalen Regeln für die machbare Schönheit aufstellte. Mit dieser Ausstellung will das RMT zeigen, dass das Werk und die künstlerische Sicht De Lairesses einen zentralen Platz im Kanon der holländischen Kunst des Godenen Zeitalters verdienen. Das allgemeine Bild der holländischen Schule ist uns von Kritikern aus dem 19. Jahrhundert auferlegt worden. Sie haben Gerard de Lairesse aus unserem Gedächtnis gelöscht. Beauty Rules zeigt, wie ungerechtfertigt das jedoch war.


In memoriam Bob van den Boogert

Die Ausstellung Beauty Rules ist eine Initiative von Bob van den Boogert, einem renomierten Kenner des Werkes u.a. von Rembrandt und Gerard de Lairesse. Im Frühjahr 2015 ist Bob jedoch zum Leidwesen aller unerwartet von uns gegangen. Bob hat sich das Jahr zuvor mit noch nie gesehenem Enthusiasmus und Feude dafür eingesetzt, diese Übersichtsausstellung zu realisieren. Es war sein lang gehegter Wunsch eine monografische Ausstellung über Gerard de Lairesse umzusetzen. Das Rijksmuseum Twenthe hat darum in enger Zusammenarbeit mit seiner Familie, Freunden und seinen Kollegen beschlossen, sein letztes ambiziöses Projekt auszuführen. Beauty Rules ist letztendlich auch eine Hommage aan Bob van den Boogert.




  • DATUM Zaterdag 1 oktober 2016
    tot en met
    Zondag 22 januari 2017
  • LOCATIERijksmuseum Twenthe